TIEF UND ENTZÜNDET

Eine Situation wie die des Spätsommers 2015 kann, darf und soll sich nicht wiederholen”, sagt Angela Merkel Ende 2016 auf dem Essener Parteitag der CDU. Im September 2015 hatte sie noch gesagt: „(…) wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.” Weder intellektuell noch emotional miteinander vereinbar, markieren diese beiden Sätze die Ränder der Wunde, die seit zwei Jahren über D (und Europa) klafft.

„Ein Staat muss auch in der Lage sein, Staat zu sein. Er ist eine regulierende, organisierende, ermöglichende, aber auch strafende und begrenzende Kraft”, sagt Andrea Nahles gestern. Doch diese staatstheoretische Erkenntnis, formerly known as Selbstverständlichkeit, firmiert seit Spätsommer 2015 unter den Zuschreibungen „rechtsextrem” und „inhuman”.

Es wundern sich die Leute, dass die AfD bei der Bundestagswahl 13 Prozent holte. Während es mich wundert, dass sie ’nur‘ 13 Prozent gehölt hat. Die Aufarbeitung eines Themas, das in so viele innenpolitische Felder hineinspielt wie die sog. Flüchtlingskrise und weitgehend unwidersprochen als „größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung” bezeichnet wird, einer Partei zu überantworten, die rechts genug ist, um nur beispielsweise einen Björn Höcke zu beheimaten, hätte wesentlich stärker in die Hose gehen können.

Ein freundliches Gesicht in Notsituationen kann, darf und soll sich nicht wiederholen – oder was hat Merkel da nun eigentlich gesagt..? Niemand weiß es. Denn niemand will es wissen. Nicht jene, die vollgleichzeitig alle Grenzen abschaffen, ein bedingungsloses Grundeinkommen in D einführen und sich Judith Butler als Bundesfamilienministerin vorstellen wollen. Und nicht Joachim Herrmann (CSU), der jüngst in einer Talkshow sagte, dass man künftig „schon in Afrika helfen” wolle. Und damit meint, dass die EU-Außengrenzen also besten Gewissens dicht gemacht werden können – und fertig.

Beides ist an Unredlichkeit nicht zu überbieten. Und zwischen zwei verlogenen Extremen kann natürlich keine vernünftige Diskussion stattfinden. Da kann sich nur der Irrsinn auf- und dann munter hin und her schaukeln.

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Der Salat

Da haben wir ihn. Nicht, dass wir ihn nicht schon länger hätten. Aber da sehen wir ihn.

25 Jahre Pogrom von Lichtenhagen. Originalton: Ausländer raus, Deutschland den Deutschen.

Die Bundesminister Gabriel und Maas veröffentlichen einen Aufsatz. Daraus: Er[doğan] möchte unsere türkischen Freunde in Deutschland in einen Kulturkampf stürzen. [1]

Terror in Madrid und überall. Einhellige Meinung: Der IS will Bürgerkrieg(e) in Europa provozieren.

Schambefreite muslimische Schüler in D erklären in ein WDR-Mikrophon, Juden seien Bastarde (und ähnlich rassistischen Scheißdreck). Lamya Kaddor hat dankenswerterweise bessere Nerven als ich. [2]

Einhellige Meinung unter Politologen (m/w): Migrationsbehintergründete (in D) wählen eher linke Parteien, weil die eine Ausländer-freundlichere Politik fahren.

Aber der eine Türkei-stämmige Hörer (mit kurdischem Oma-Hintergrund) brüllt den Sozialdemokraten, der die eher linke HDP im WDR5-Tagesgespräch eine ‘Schwerster-Partei’ der SPD nennt, mal so richtig an. [3ab ca. 00:39:30] Wenn das so sei, dann wähle er die SPD nicht mehr.

Passt zu: Sollen Deutschtürken jetzt AfD wählen? [4]

Ach, AfD. Erdoğans Hitler-Fanclub soll volle Kanne rechtsaußen wählen. Und Sarrazin schreibt ein Buch dazu: Deutschtürk*Innen schaffen sich ab. Mit Sternchen vor dem Binnen-I. Den Spaß lässt er sich dann nicht nehmen.

Und wenn die Petrys und die Pütrüs nicht sterben, dann ficken [5] sie auch morgen noch für Ehre, Volk und Vaterland.

Was ist eigentlich..?

Was ist eigentlich Gewalt?

von Fritz Fischer

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! Denn das allein unterscheidet ihn von allen Wesen, die wir kennen.“ (Goethe)

Ein Fuchs, dieser Goethe. Im Konjunktiv anfangen und im Indikativ weitermachen. Wie in: „Dass Gewalt falsch sei, darauf können sich schnell alle einigen.“ (Augstein)

Gewalt ist nicht falsch. Sie sei falsch. Könnte also auch richtig sein. Denn der Mensch ist ja rachsüchtig, unnütz und schlecht.

„Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ (Grundgesetz, Artikel 20)

Legislative, Exekutive, Judikative – die drei Volksgewalten. Also war es Bürgerkrieg. Denn egal, wer in Hamburg von wem auf die Fresse bekam, die Gewalt ging immer vom Volke aus.

Das ist richtig, sei aber falsch.

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt.“ (wieder Goethe)

Straftat hier: Kindesmissbrauch mit Todesfolge. Der sei total falsch. Darauf können sich alle rasend schnell einigen. Wer sowas macht, hat das Recht auf Atem verwirkt. Da sind alle auf Seiten der Rocker.

Mafia sei falsch! Rache ist Blutwurst. Konjunktiv. Indikativ (die Form des Verbs, die anzeigt, dass etwas real ist).

„Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ (Jesus) Zu der Frau sagt er später: „Geh hin und sündige von jetzt an nicht mehr!“ Und sie so: „Alles klar. Tschüss.“

„Die Gewalt besitzt nicht halb so viel Macht wie die Milde.“ (Running Gag auf Innenministerkonferenzen)

Zusammenfassend: Gewalt ist austeilbar. Ihre Opfer tragen Mandate, Uniformen, Roben, Kaputzenpullis. Wir werden alle sterben.

Was ist eigentlich ein Informationsverbrechen?

von Fritz Fischer

Schorndorf liegt an der A29 zwischen Remshalden und Plüderhausen. Genauer gesagt zwischen Winterbach und Urbach. Die Klinik im Ort beherbergt eine (von Patientinnen liebevoll Frauen-Arztpraxis genannte) Frauenarztpraxis.

Das war ein Informationsverbrechen. Der Kosename ‘Frauen-Arztpraxis’ ist frei erfunden.

Gefragt, ob der Regierung bekannt sei, dass die Anwältin, mit der sich der kleine Trump im Wahlkampf getroffen hatte, einst für den russischen Geheimdienst arbeitete, sagte Sean Spicer: Ya neznayu. Gefolgt von: Ich kündige.

Schon wieder ein Informationsverbrechen. Reine Spekulation.

Das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westafalen gibt die Vorjahresgewinner von Wettbewerb Kooperation. Konkret. bekannt. Nicht gelistet, weil heimlicher Gewinner, ist das Kartell aus Volkswagen, Audi, Porsche, BMW und Daimler mit dem Projekt Intertür Outpuff.

„Die Verantwortlichen hätten damit „Informationsverbrechen“ begangen. So bezeichnet das Königshaus die Verbreitung von Inhalten, die nicht den konservativen Moralvorstellungen der saudi-arabischen Gesellschaft entsprechen.” (Quelle)

Zusammenfassend: Information sei kein Verbrechen. Schorndorf nennt sich Daimlerstadt. Gott lieb, Minirock böse.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Fritz Fischer wieder, nicht notwendigerweise die der M&FUNK-Redaktion.

Saubere Arbeit

Vormittags geschrieben:

Elke Twesten betreibt freie Volksvertreterei in Niedersachsen und bekommt „weiterhin 6809,85 Euro im Monat, dazu noch mal 1088 Euro als steuerfreie Aufwandsentschädigung” [1]. Anders, als „groteskerweise” [1.1] im Netz zu lesen, gebe es vonseiten der CDU keine Versprechungen oder Ablösesummen. Sie sei keine Verräterin, sie fühle sich sehr gut. [1.2]

Stephan Weil, oberster Niedersächs*Innen-Vertreter, sagt, es sei „schlichtweg falsch” [2], dass er seine Regierungserklärung vom 13. Oktober 2015 von der Volkswagen AG hätte „aufhübschen” („genehmigen”/„nachbessern”) lassen. Was er gesagt habe, sei O-Ton Weil. Denn „es habe die Zukunft des VW-Konzerns auf dem Spiel gestanden”, Was „mittelbar auch für das Land Niedersachsen von allergrößter Bedeutung” gewesen sei.

Jubel, Applaus und „USA! USA!”-Sprechchöre hellauf begeisterter Polizisten bei einer von Trumps berüchtigten Hate-Speeches. „In einer früheren Version des Textes hieß es, Trump halte es für eine gute Idee, den Kopf eines Verdächtigen gegen eine Auto zu schlagen. Das war ein Übersetzungsfehler, wir haben das korrigiert.” [3]

Gegen eine Auto zu schlagen. Ein äußerst grotesker Übersetzungsfehler fürwahr.

Wer wissen will, was am 15. Juli 2016 wirklich passiert ist in der Türkei, muss unbedingt  diesen Wortwechsel auf ‘Deutschlandradio Kultur’ hören. Die Wahrheit – und was man aus ihr machen kann. Oder wie Loriot es ausdrückt: Das hier ist reine Baumwolle – mit 70% Polyester-Beimischung.

Abends nachgetragen:

Es geht so schnell, man kommt gar nicht richtig hinterher. Ein „unmoralisches Angebot der CDU” [4] soll die Elke jetzt doch bekommen haben.

Seltsam mutet der Zeitpunkt der Veröffentlichung an: Warum gerieten die Details der Regierungserklärung zwei Jahre später in Umlauf? Ausgerechnet jetzt, da Weil sein Amt als Ministerpräsident verteidigen muss? Dann wurden sie auch noch mutmaßlich aus VW-Kreisen gestreut – also aus dem Konzern, den Weil mit seinem Pochen auf milliardenschwere Nachrüstungen verärgert haben dürfte. [5]

Seltsam, genau. Geradezu grotesk. Eine Landesregierung und ihr Chef – vernichtet in nur drei Tagen. Saubere Arbeit.

GLEICH & GLEICH

Der Typ da vorn
sieht zu uns her.
Wie führst du den?
Den führ ich ver.

Er lutscht an
deinem großen Zeh?
Dann tört er dich.
Er tört mich be.

Tatütata
und schubidu.
Seid sammen ihr?
Sind sammen zu.

Er hat gerade
keinen Lauf.
Wie fängst du ihn?
Ich fang ihn auf.

Die Pflanze da
ist schief und krumm.
Wie topfst du die?
Die topf ich um.

Was macht denn
Eure Liebelei?
Wie rätst du ihn?
Ich rat ihn hei.

Dann kommen sie
von nah und fern,
denn gleich und gleich
gestellt sich gern.

THE HYPE WIPE

Ein Gastbeitrag von Mangela Erkel ** für MUNDFUNK

Tsss. Von wegen Anschlag auf die Demokratie. Ein Anschlag auf die Demokratie wäre es, wenn ich sagen würde: Och, das SPD-Programm gefällt mir, das übernehme ich. Ganz offiziell. Und CDU und CSU die einzigen Parteien wären, die im neuen Bundestag vertreten sind. Weil alle anderen unter der 5%-Hürde Limbo tanzten.

Wenn aus „Sie kennen mich“ „Du wirst mich noch kennen lernen“ wird, dann wünscht er sich, dass wenigstens die transsexuellen, taubenzüchtenden Taxifahrer noch Martin wählen. Aber das kann er dann vergessen.

Ich hatte angeboten, dass die ihr dämliches Programm abarbeiten, still und leise, wie gehabt, während ich Embrasser mit Macron, Trudeau und Jogis Eleven mache. Und was machen die..?! Ziehen mir rote Linien. Aber denen zeige ich, was Linien sind. Mehr wird von ihren Balken am Wahlabend nämlich nicht übrig sein. Und dann wird gleichgestellt, ohne geheuchelte Bedenken.

Ach, übrigens. „Asymmetrische Demobilisierung“ ist es, wenn der Altmaierpeter und ich nach’m Après-Gipfel aus der Waschmaschine torkeln und der rennomierteste Statiker nicht sagen könnte, wer da wen stützt.

Und wusstet ihr, dass 00Schäuble während einer Haushaltssitzung mal rausgerutscht war: L’Etat c’est moi. Da hatte er auch nicht lange dran zu lachen.

** Name geändert

DINNER FOR #KÖLN

In diesem Jahr sollte alles anders werden. Und es wurde alles anders. Nur, wurde alles gut? Und wenn ja, zu welchem Preis?

alle Zitate aus: Alles richtig gemacht. Alles?

So. Die Fragen sind gut. Und gut gefragt ist halb geantwortet.

Die Männer hätten, in Köln angekommen, allein wegen ihrer Masse bedrohlich gewirkt und vielfach auf Ansprache von Polizisten aggressiv reagiert. Zahlreiche Bürger beklagten demnach ein beeinträchtigtes Sicherheitsgefühl.

Ach, wie gern hätte ich mit einem Megaphon da gestanden und durchgesagt: „Denken Sie nicht ans Vorjahr, meine Damen und Herren! Behalten Sie Ihre Wertsachen im Auge, halten Sie mindestens eine Armlänge Abstand und bleiben Sie ruhig! Es wird Ihnen nichts geschehen!“ Das wäre ein Spaß gewesen.

„Wenn wir nicht in so großer Zahl da gewesen wären, dann hätte es definitiv die gleichen Ausschreitungen gegeben wie im vorigen Jahr“, sagte Ernst G. Walter, Chef der Bundespolizeigewerkschaft.

Definitiv. Wow. Der gefällt mir. Von dem lasse ich mir demnächst die Lotto-Scheine ausfüllen.

Zudem habe es im Laufe des Jahres 19 Razzien an „gefährlichen Orten“ gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Dabei hätten Beamte auffällig viele Verdächtige mit nordafrikanischem Hintergrund angetroffen. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die an Silvester zu Hause sitzen und ‚Dinner for One‘ gucken, ist eher gering.“

Die Recherchen und Ermittlungen hätten ergeben, dass Köln für diese Gruppen eine Anziehungskraft ausübe. Aufrufe zu Zusammenrottungen in der Kölner Altstadt habe es jedoch nicht gegeben – umso überraschter seien die Ermittler über die hohe Zahl der nordafrikanischen Besucher gewesen, die laut Bundespolizei überwiegend mit Zügen aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein kamen.

Unmöglich, das mit einem lustigen Spruch zu toppen. Höchstens damit:

SCHUTZGELD

#Kollateral-Diskriminierung..? Ouch. Ein ganz heißes Eisen, das ZEIT-Autor Bernd Ulrich da anpackt. Etwas gutzuheißen, das mit „Kollateral-” beginnt, zieht automatisch Ärger von links nach sich, weil nach dem Bindestrich immer etwas Unlinkes steht.

Niemals ist die Rede von Kollateral-Abrüstung oder Kollateral-Vermögensausgleich. Die Schäden, die Kriege und Krisen weltweit anrichten, sind einfach noch nicht groß genug, um so weit in unsere Sprache und unser Bewusstsein zu dringen.

Hingegen hört man vom Kollateral-Sozialkahlschlag namens Agenda2010, der Kollateral-Nichtgleichstellung Homosexueller (u.a. wegen nicht näher definierter „Bedenken” der Kanzlerin), der Kollateral-Totalüberwachung durch die Geheimdienste…

Es fallen einem zu viele Dinge ein, die wir hinzunehmen haben, damit kein noch größeres Unglück geschieht. Schutzgeld, damit nicht eines schrecklichen Tages das Lokal in Trümmern liegt, wie sie uns mit ihrem fiesesten Grinsen erklären – und fragen, ob es das sei, was wir wollen. Aber das wollen wir nicht. Also zahlen wir.

Nun ist es allerdings so, dass das Kollateral-Prinzip zur politischen Linken kein gänzlich Unbekanntes ist. Mit „Kollateral-” beginnt für viele z.B. alles, was Russland in der Ukraine und in Syrien tut. Das sind Folgefehler, also keine echten Fehler. Russland hat keine andere Wahl. Was total praktisch ist, weil die politische Linke ansonsten ja gegen völkerrechtswidrige Invasionen ist. Und gegen Krieg sogar dann, wenn ein wankender Diktator seine Schutzmacht zum mitbomben einlädt.

Eine Kollateral-Flüchtlingsobergrenze, die sich auch (!) am gesellschaftspolitisch Schaffbaren orientiert, ist derweil des Teufels, wenn man manche Linke fragt. AfD, was ist das..? Grenzen auf, Party! (Sorry.)

Man kann dem aber auch etwas Positives abgewinnen. Wer „Kollateral-” sagt, ist immerhin so freundlich, das schlechte Gewissen gleich mitzuliefern. Im besten Fall. Im schlechtesten steht es als eine Art Anstands-Floskel, in der Hoffnung, keinen allzu großen Shitstorm auf sich zu ziehen.

Wofür steht es bei „Kollateral-Flüchtlingsobergrenze, die sich auch (!) am gesellschaftspolitisch Schaffbaren orientiert”..? Schwer zu sagen, oder..? Imgrunde gar nicht. Das vielleicht praktischste aller Präfixe. Ich kann die seichte Brise von Erdoğans zustimmendem Nicken förmlich spüren. Hhhhhhhhhhhhh. Spürt ihr es auch..?

LAGEBESPRECHUNG

 

Spätestens nach dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz hat sich die Lage für viele Bürger geändert, aber die Politik macht einfach so weiter, als ob alles beim Alten geblieben wäre.

aus: Deutsche, schaut auf diese Stadt

Schreibt der laut eigenen Angaben aus Versehen konservativ gewordene Jan Fleischhauer gestern in seiner SPIEGEL ONLINE Kolumne. Was stark verwundert, weil doch alles haargenau beim Alten geblieben ist.

Vor dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz lief es, wie folgt.

  1. Ein geistesgestörter Islamist begeht einen sog. Terroranschlag. (Nennt sich bei entwicklungsgehemmten Schülern „Amok-Lauf” und bei depressiven Lufthansa-Piloten „erweiterter Suizid”.)
  2. Die sog. Konservativen rufen nach einem stärkeren Staat und mehr Sicherheit. (Nicht zu verwechseln mit „Staatssicherheit” und natürlich keinesfalls anzuwenden auf soziale Fragen oder die Steuergesetzgebung.)

Und genau so geht es jetzt weiter.

Jäh geändert hat sich tatsächlich die Lage der Opfer vom #Breitscheidplatz, wie die ihrer Angehörigen, Verwandten, Freunde und Bekannten. Es ist weder pietätlos noch zynisch aus diesem Leid keine grundlegend andere Sicherheitspolitik ableiten zu wollen. Oder zu sagen: So ein Tag würde kommen, das ahnten wir. Und es werden weitere folgen, irgendwo, irgendwann.

Wer von uns ohne Angst ist, werfe den ersten Stein. Damit bin ich schon mal raus. Aber ich habe diese Bilder im Kopf, von einem, der auf einer Bühne vor einem Rednerpult steht und schreit: „Wollt ihr die totale Sicherheit..?!”. Und die Menge so: „Jaaaaaaaaaah..!!”

Aus versehen konservativ geworden. Tja, schnell passiert sowas. Schlimm. Umso wichtiger, dass wir nicht auch noch aus Versehen reaktionär, autoritär und totalitär werden. Dann hätten wir aber den Salat, was.

GEFÄHRICH? UNSEXY? POLITISCH?

Und schon wieder eine Frage. Keine Ahnung, ob ich sie überhaupt veröffentlichen darf. Fragesteller Michael Angele zeigte sich mehrfach davon überzeugt, dass sein fb-Profil öffentlich einsehbar sei. Ist es aber nicht. Veröffentlicht ist dann jetzt nur:

Ich würde gerne hier und heute eine grundsätzliche Frage stellen: Was ist die Aufgabe des Journalismus? Newsticker erstellen? Fremde Welten erschließen, verschlossene Milieus beschreiben, das „Unbekannte“ bekannt machen? Unbedingt! Aber gibt es dieses Reporterethos nicht mehr? Im Spiegel der Medien erscheint die gestrige Nacht in Köln wie ein Spuk. Eine Masse arabisch, respektive nordafrikanischer, respektive südländisch ausschauender junger Männer, über die man so gut wie nichts weiß, ausser dass sie jetzt wieder weg sind „in Richtung Düsseldorf“. Geht denn da keiner raus, und versucht mal mit denen zu reden (auf Französisch z.B.)? Was wollen sie? Wollen sie überhaupt was? Was war da letztes Jahr? Was denken sie? Arabischer Flashmob? Dann Tiefensondierung: Wovon lebt der Mensch, und verdammt, wenn es Kleindealerei ist, dann gehört das dann auch reingeschrieben, und wenn es ein Unistipendium ist natürlich auch. Aber es scheint irgendwie einfacher zu sein, in ein tunesisches Dorf zu fahren, um zum Xten Mal die Familie eines Terroristen zu interviewen, als, keine Ahnung, in Meppen am S-Bahnhof reportermässig rumzulungern. Ist das gefährlich? Unsexy (lieber newstickern!)? Könnte am Ende noch politisch werden? Keine Ahnung. Vielleicht werden diese Artikel ja gerade geschrieben oder ich habe etwas übersehen. Bin dankbar für jeden sachdienlichen Hinweis.

Michael Angele

Die Frage ist einfach zu gut, um sie der Netzöffentlichkeit vorzuenthalten.

Schade, dass nach sachdienlichen Hinweisen und nicht nach wilden Spekulationen gefragt ist. Für Erstere müsste man sich wohl durch die gruppendynamischen Ringe des eigenen Berufs-Soziotops wie durch einen erwartbaren (?) Wust aus Ausreden, Falschangaben und Schutzbehauptungen ackern. Was bestimmt auch keine leichte Aufgabe ist.

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